Mein letztes Spiel vom BVB war auswärts in Hannover letzten September, wenige Tage bevor ich nach Spanien ging. Ab da hat mich die spanische Liga ganz gut abgelenkt, gerade da Valencia zwei Vereine in der 1. Liga hat(te), konnte ich jedes Wochenende ins Stadion gehen. Kurz vor Weihnachten überlegte ich dann allerdings doch noch eher nach Deutschland zum Spiel zu fliegen, aber auswärts in Köln reizte mich dann nicht so sehr. Dann bekam ich einige Monate später ein Panoramabild aus dem Olympiastadion von meiner Mutter und legte fest: ich muss diese Saison nochmal nach Dortmund.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht was alles auf mich zukam.
Obwohl nur noch zwei Heimspiele, eins davon eigentlich schon ausverkauft, auf der Agenda standen, kam ich an eine Karte ziemlich schnell. Samstag, 30. April 2015, Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg, Südtribüne, Block 13. Ich freute mich, und ich sagte nur drei Freunden vorher Bescheid, dass ich kommen würde. Für den Rest sollte es eine Überraschung werden.
Auch das Buchen der Flüge ging relativ unkompliziert. Ich irrte mich. Fünf Tage später hatte ich immer noch keine Buchungsbestätigung und keine Boardingkarten. Was ich von der ganzen Situation denken sollte wusste ich nicht. Ich wollte unbedingt nach Dortmund, aber ohne Flugtickets war das schlecht möglich. Einen Tag vor geplanter Abreise und nach unzähligen Telefonaten stand dann fest, dass ich reingelegt wurde. Also alles noch einmal neu buchen, diesmal direkt über die Airline. Das hat mich nervlich ziemlich mitgenommen, aber meinen Kurztrip konnte und wollte ich auf keinen Fall absagen.
24 Stunden später befand ich mich auf dem Weg zum Flughafen. Vor mir lag eine lange Reise: mit einer der letzten Maschinen ging es nach Zürich, wo ich die Nacht verbringen musste. Dann ging es mit einer der ersten nach Düsseldorf und von dort mit dem Zug rein in den Pott.
Fliegen ist für mich mittlerweile vollkommen normal, aber zehn Stunden (!!!) nachts auf einem Flughafen sprengte doch noch mal einiges. Ich war schon einmal für sechs Stunden auf dem Flughafen in Melbourne um nach Thailand zu kommen, aber da war ich einfach so müde und habe die ganze Zeit geschlafen.
Jetzt packte mich aber so langsam die Aufregung. Endlich wieder nach Hause zu kommen und doch war ich noch ziemlich weit weg. Ich durchstöberte meine Zeitschriften, hörte Musik oder legte mich auf eine Bank um zu schlafen. Die Stunden vergingen so unglaublich langsam. Die ganze Nacht brannten diese nervigen Deckenlampen und die Bank wurde immer unbequemer, egal wie ich mich drehte.
Früh gegen 5 Uhr wird es laut. Die ersten Menschen versammelten sich an dem Gate, wo ich bereits lag. Ich hatte mich genau an das Gate gelegt, wo anscheinend die erste Maschine starten sollte. Gefühlt 500 Leute auf dem Weg nach Mallorca. An Schlaf war nicht mehr zu denken und ich suchte mir mein eigenes Abfluggate und beschäftigte mich mit einer Zeitschrift.
Die Zeit verging dann doch schneller und ich landete in Düsseldorf. Jetzt im Nachhinein kann ich es kaum glauben wie ich diese Nacht geschafft habe. Düsseldorf Flughafen ist übrigens für mich der unübersichtlichste Flughafen, den ich bisher gesehen habe. Da waren Los Angeles und Bangkok nichts dagegen. Nach guten 20 Minuten habe ich dann doch den Bahnhof gefunden und saß im Zug auf dem Weg nach Bochum.
Von dort ging es mit meinem liebsten Sebastian dann weiter zum Stadion, aber nicht bevor ich erstmal die größte Kaffeetasse leer getrunken wurde. Ich war so unglaublich müde.
An diesem Tag zeigte sich Dortmund nicht von seiner schönsten Seite. Es regnete und mir war kalt. Ich bin anscheinend zu sehr von meinen spanischen Temperaturen verwöhnt. Aber ich war glücklich und aufgeregt. Die letzten Meter zum Stadion sind so anders als in Valencia. Hier ist es eine Normalität direkt zu den Eingängen zu gehen und sich zu seinem Platz zu begeben. Dort ist es jedes Mal eine Freude. Überall Schwarzgelbe, dieses Stadion, was sich aus seiner Umgebung hervorhebt. Dann im Biergarten die große Überraschung. Viele bekannte Gesichter und viele Umarmungen.
Ich glaube, so etwas kennen die Spanier nicht. So eine Liebe für seinen Verein und das Teilen seiner Leidenschaft mit Gleichgesinnten. Nach einem Jahr habe ich in Valencia jedenfalls noch keine verrückten Leute kennen gelernt, die das gleiche machen würden.
Irgendwann ging es dann in den Block, direkt vor die Ultras. Ich sah mein vertrautes Umfeld, etwas was mir sehr gefehlt hatte. Da man keine Wolfsburgfans sehen konnte, war das ganze Stadion in vertraute schwarzgelbe Farben gehüllt. Fahnen und Banner zierten die Banden.
An das Spiel kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Mit dem Merken von Ergebnissen und markanten Spielzügen war ich noch nie gut. Nach zehn Minuten stand es bereits 2:0 für uns, das wusste ich noch, und in der ersten Halbzeit durfte ich meinen Lieblingsspieler direkt vor mir beobachten. Mit einigen Fehlern klappte auch das mitsingen der Lieder ganz gut, zum Glück war auch die Angela dabei und zusammen machten wir alles mit.
Deswegen gehe ich ins Stadion. Borussia sehen, Stimmung machen und meine Freunde treffen. Auch wenn ich dafür mal eben 1500 km reisen muss.
Nach Spielende stand ich nochmals lange im Biergarten. Aber auch das hatte irgendwann ein Ende und es ging mit zum Sebastian, wo ich die Nacht nicht auf einer Bank verbringen musste.
Ich hasse so etwas. Wunderbare, kostbare Zeit vergeht immer viel zu schnell. Aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich zum Glück, dass es in wenigen Wochen bereits wieder aus Reisen ging um Borussia zu sehen, denn ich hatte Karten fürs Pokalfinale gewonnen.
- Lin.

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