Mittwoch, 6. April 2016

Ein Fest für den Frühling

Mit den Fallas begrüßt Valencia jedes Jahr den Frühling. Hauptattraktion sind dabei die riesigen Figuren aus brennbaren Materialien, die Fallas genannt werden und dem Fest seinen Namen gaben. In Europa weniger bekannt und doch versetzen sie die ganze Stadt in einen Ausnahmezustand und dieses Jahr durfte ich dabei sein.

Traditionell eröffnet werden die Fallas mit der Crìda vor den Torres de Serranos, bei der die Fallera Mayor alle Menschen offiziell zu den Fallas einlädt. Dies findet immer vor dem 1. März statt, dieses Jahr bereits am 28. Februar.
Vom 1. März an werden dann bis zum 19. März, dem letzten Tag der Fallas, Mascletás gezündet, bei denen der Lärm der Böller im Vordergrund steht. Jeden Tag um 14 Uhr auf dem Plaza del Ayuntamiento (Rathausplatz) gestaltet ein anderer Pyrotechniker eine Sinfonie aus dumpfen Grollen, Paukenschlägen und pfeifenden zischenden Tönen. Je nach Dynamik geht einem der Donner durch Mark und Bein weswegen sehr gute Pyrotechniker hier wie Popstars gefeiert werden.
Auch wenn es vorwiegend ein Spektakel für die Ohren ist, früh kommen und warten lohnt sich. Vor den Haupttagen gilt meist eine Stunde eher, an den letzten Tagen dann schon zwei Stunden eher.

 Alles ready?

Plaza del Ayuntamiento

In den Tagen vom 15. bis 19. März kommt es dann zu den Höhepunkten der Fallas. Bereits in der Nacht vom 14. auf den 15. März werden die Fallas, eine Gruppe aus Ninots (dt. Puppen), aufgestellt. Diese Tradition kann man bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Es heißt, der Ursprung liege bei valencianischen Zimmerleuten, die jedes Jahr am 19. März, Tag des Heiligen Josefs (=San José), Schutzpatron der Zimmerleute, alte Öllampen verbrannten. Mit der Zeit wurden Holzreste und alte Möbel mit auf der Straße verbrannt, immer an Kreuzungen oder größeren Plätzen.
Irgendwann wurden dann kleinere Strohpuppen gebaut, die sich zu Kunstwerken entwickelten. Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte man Pappmaché als ideales Brennmaterial und die Puppen wurden allmählich zu Skulpturen, die heutzutage haushoch sein können, bis zu 10 Tonnen wiegen und an die 100.000 € kosten. Jedes Jahr greifen die Fallas ein neues Thema auf, meist präsentieren sie die verschiedenen Stadtviertel, nationale Größen oder lokale Prominenz werden humorvoll abgebildet oder verspottet.
Aus den Kreuzungen oder Straßenzügen entstanden nach und nach Gruppen, die ebenfalls Fallas genannt werden. Jedes Jahr trifft man sich in einem Hauptquartier und über das Jahr hinweg müssen die Mitglieder einen Beitrag bezahlen, von dem auch die Skulpturen bezahlt werden. Mittlerweile gibt es in den knapp 40 Stadtvierteln an die 300 Fallas, bestehend aus fast 150.000 Mitgliedern.




Zwischen diesen Fallas werden auch Wettbewerbe ausgetragen und Prämien verteilt. Zudem stellt jede Falla eine Fallera und eine Fallera Infantil (eine Valencianerin in traditioneller Tracht), aus der dann die Fallera Mayor / Fallera Mayor Infantil gewählt wird. Diese vertreten dann offiziell das Fest und reisen schon vorher durch ganz Spanien um für die Fallas zu werben.
Jede Falla stellt natürlich auch Fallas Figuren, aus denen jedes Jahr die schönste gewählt wird. Als Minireproduktion kommt sie dann ins Fallas Museum.
In dem Stadtviertel Ruzafa wird zeitgleich noch das Festival de las Luzes gefeiert, bei dem in mehreren Straßenzügen haushohe Gerüste mit tausenden LED-Lichtern aufgebaut werden. Jede Straße kreiert ihre eigene Lichtershow und jedes Jahr wird ein Gewinner gewählt.

Für jede Falla ist bereits ein Höhepunkt vor der Verbrennung die Ofrenda de las Flores, der Opfergang zu Ehren der Schutzheiligen von Valencia am 17. und 18. März. Dazu wird vor der Basilika eine 14 m hohe Holzstatue aufgebaut. Innerhalb von zwei Tagen übergeben dann die Falleras und Falleros, gekleidet in ihren Trachten, ihre Blumen. Aus diesen wird das Madonnenkleid gesteckt, jedes Jahr entsteht ein anderes Muster. Für diesen Opfergang werden fast 50 Tonnen an Rosen, Nelken, Gladiolen, Tulpen, Anemonen und Lilien benötigt.



Am 19. März kommt es dann zur Cremà, der Verbrennung der Fallas Figuren.
Zwischen 22 - 22:30 Uhr werden bereits die Kinderfiguren verbrannt, gegen Mitternacht dann alle großen bis auf die Falla, die zur schönsten gekührt wurde und die Falla am Rathausplatz.
Beide werden erst um 1 Uhr nachts verbrannt, bei der Falla am Rathausplatz gibt es vorher noch eine Feuerwerkshow mit Mascletá bevor die Fallera Mayor die Statue anzündet und die letzte Figur in den Flammen verschwindet.



Die diesjährigen Fallas standen unter besonderer internationaler Beobachtung, da im Herbst die UNESCO bekannt geben wird, ob die Fallas von Valencia in das inmaterielle kulturelle Erbe des Menschen aufgenommen wird.

- Lin.

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