Dienstag, 19. Januar 2016

Spanisches Temperament

Spanier lieben es zu feiern. Seit ich hier bin, konnte ich es bereits einige Male beobachten. Es wird geplant und vorbereitet sobald der nächste Feiertag ansteht und eine riesengroße Party veranstaltet. Für alle Regionen des Landes dürfte es nicht mehr als 15 Feiertage über das Jahr verteilt geben, plus einen regionalen Feiertag (meist ein Tag zu Ehren des jeweiligen Schutzpatrons). Lustig wird es, wenn einige Feiertage in kurzer Zeit zusammen kommen und somit für ein verlängertes Wochenende sorgt - so geschehen Anfang Oktober letzten Jahres wo der Nationalfeiertag Spaniens und ein regionaler Feiertag in der autonomen Gesellschaft von Valencia für vier Tage Fiesta sorgten. Der komplette Vorort, in dem ich wohne, war auf den Beinen. Hier war mehr los als bei mir zuhause auf dem alljährlichen Weihnachtsmarkt.

Jetzt Mitte Januar wurde offiziell am 17. Januar ein Feiertag zu Ehren des Heiligen Antonios, Schutzpatron der Tiere, begangen, aber natürlich begannen die Feierlichkeiten schon mindestens eine Woche eher. Bereits das Wochenende davor gab es bei mir im Dorf eine Veranstaltung, bei der alle Haustiere der Umgebung vom örtlichen Priester gesegnet wurden während das ganze Dorf zuschaute. Dafür sperrte man mehrere Straßen und legte eine Sandpiste an, auf der zum Beispiel die Pferde mit ihrem kleinen Anhänger angeritten kamen um vor einem Podest anzuhalten. Während das Pferd seinen Segen bekam, wurde dem Inhaber ein kleiner Korb mit Geschenken und eine Urkunde überreicht. Im Hintergrund hörte man dann immer wieder Kanonenschüsse, das komplette Wochenende lang.



Eine Woche später ging es dann mit einer Freundin auf eine von der Sprachschule organisierte Exkursion. In Vilanova D'Alcolea wurde ebenfalls eine Fiesta zu Ehren San Antonios ausgerichtet. Das Dorf liegt bei Castelló, eine knappe Stunde mit dem Bus entfernt im Norden von Valencia. Zuerst ging es zum örtlichen Fußballplatz, auf dem alle Schüler erst ein Mal mit einem Getränk ausgestattet wurden. Nach kurzer Wartezeit wurden dann zuerst die Pferde vorgeführt um dann ein riesiges Feuer zu entzünden (erinnerte etwas ans Osterfeuer). Kurz danach gab es einen lauten Knall, der den Beginn des Feuerwerks ankündigte. Obwohl es ohrenbetäubend laut war, standen die Pferde ganz ruhig daneben um nach dem Ende ein paar Runden um das Feuer zu reiten.
Nach diesem ersten Spektakel ging es dann Abendessen in einer nahe gelegenen Bar. Dazu muss ich nicht viel sagen, nur war keiner mehr ganz nüchtern beim Verlassen des Lokals, aber das ist normal denn für Spanier gehört der Schnaps definitiv dazu.
Als nächstes ging es dann zur Kirche, vor der sich dann das gesamte Dorf versammelte. Zuerst kamen die Pferde um sich in Reihe aufzustellen, dann kam der Priester um seinen Segen zu geben. Nun begann das eigentliche Highlight: durch das komplette Dorf wurden Bäume und Sträucher gelegt, die in mehreren Abschnitten angezündet wurden. Meist zuerst kreuzten dann die Pferde mit ihren Reitern die Straßen, während die Einwohner folgten. Wir natürlich auch.
Mir ist bis heute schleierhaft warum ich das gemacht habe, welchen Sinn das ganze hatte. Es wurde heiß, denn die Straßen waren nicht immer die breitesten und man war einen Fußtritt von den Flammen entfernt, der Rauch machte an manchen Stellen das atmen schwer und brannte in den Augen. Ab und an musste man über das Feuer springen um weiterzukommen, getrieben von den Leuten hinter einem. Ganz wohl war mir nicht immer, aber zumindest kann ich jetzt wieder eine verrückte Geschichte erzählen.
Nach gut zwei Stunden war es dann vorbei, und auf darauf gab es erst ein Mal was zu trinken (welch Überraschung). Zum Abschied wartete dann ein DiscoMóvil auf uns. Das ist meist ein Platz, an dem ein DJ auf der Straße seine Musik spielt und alle dazu tanzen. Diesmal war es etwas gehobener in einem Zelt mit einer Bühne, auf der eine Gruppe live performte. So etwas ist eigentlich immer bei einem Feiertag anzutreffen und geht auch gerne etwas länger.
Die Heimfahrt war ziemlich ruhig, der ganze Bus schlief. An sich fast ein Wunder, denn es stank wie in einem Räucherofen. Und dann irgendwann gegen halb sechs am Morgen lagen gute zehn Stunden Action hinter uns. Ich freue mich schon aufs nächste Mal - aber dann mit weniger Adrenalin.




Hier noch ein Zusammenschnitt von den Highlights des Abends:

Entschuldigt die Qualität, ist vom Handy.

- Lin.

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