Donnerstag, 14. Januar 2016

Turia in der Flasche

Zuerst kamen die Griechen und Karthager um sich an den Ufern des Tyris (heute Turia) niederzulassen, doch gegründet wurde Valencia (damals noch Valentia, lateinisch für "Kraft" oder "gutes Omen") erst im Jahr 138 v.Chr. von den Römern. Ende des 3. Jahrhunderts begann sich dann der christliche Glaube auszubreiten bis im Jahr 709 der Islam die Stadt überimmt und fast 400 Jahre bleibt. Nach der Gründung des Königreichs von Valencia entwickelt sich die Stadt zu einer der blühendsten Hauptstädte des 15. Jahrhunderts. Ein Jahrhundert später kamen dann die Katastrophen: erst die Überschwemmung von 1517 und zwei Jahre später eine Pestepidemie, bis es 1520 auch noch eine Rebellion in den Bruderschaften zusammengeschlossener Zünfte im Jahr 1520 ausbrach.
Getroffen wurde Valencia auch vom spanischen Erbfolgekrieg, der 1700 begann. Da es sich der später verlierenden Seite anschloss, verlor es seine Sonderrechte, die es seit dem  13. Jahrhundert hatte. Während der Napoleonischen Kriege (1808-1813) leistete die Stadt den Franzosen einen erbitterten Widerstand, Spuren findet man noch heute in den Stadttoren.
Im spanischen Bürgerkrieg (20. Jahrhundert) war Valencia für kurze Zeit Sitz der verfassungsmäßigen Regierung und wurde erst am 30. März 1939 als eine der letzten Städte Spaniens von Francos Truppen besetzt. Mit der Demokratie am 29. April 1982 bekam die autonome Gemeinschaft Valencia seine jetzige Verfassung. Heute zählt Valencia, Hauptstadt und Regierungssitz der autonomen Gesellschaft, rund 800 000 Einwohner.

Genau diese Stadt mit seiner Geschichte wollten Sebastian und Christine, zwei Freunde von mir, für ein Wochenende lang erkunden. Da sich nicht jeder mal eben in den Flieger setzen kann, gibt es hier eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten Orte der Stadt.

Ganz oben auf der Liste von Orten, die man besucht haben sollte, steht die Ciudad de las Artes y las Ciencas (Stadt der Künste und Wissenschaften). Man erreicht sie zu Fuß von der Metrostation Alameda. Der Weg führt durch den Jardin del Turia, das ehemalige Flussbett des Turias. Durch ein verheerendes Hochwasser 1957 wurde die Umleitung des Flusses und die Entstehung eines Großparks beschlossen.

Jardin del Turia

Auf dem Weg kommt man am Palau de la Música vorbei, ein Musikpalast mit einem großen Symphoniesaal und einer kleinen Konzertkammer aus dem Jahr 1987. Kurz danach hat man die Stadt der Künste und Wissenschaften bereits erreicht. Sie besteht aus mehreren Gebäuden und zuerst dürfte einem der Palau de les Artes Reina Sofía  (Palast der Künste Königin Sofia) ins Auge fallen. Er besitzt Säle für künstlerische Darbietungen, Konzerte und Theateraufführungen.

Palau de les Artes Reina Sofía
L'Hemisféric

Mit Sebastian und Christine ging es jedoch weiter zum angrenzenden Gebäude, das L'Hemisfèric. Es verfügt über Planetarium, Laserium und ein IMAX-3D-Kino. Von außen symbolisiert es die Form eines menschlichen Auges.
Zur Zeit werden fünf verschiedene Filme gezeigt, die nicht länger als eine Stunde dauern. Alles sind Dokumentarfilme, die einem auf sehr interessante Art und Weise ein bestimmtes Thema näher bringen wollen. Wir entschieden uns für den Film über den Monarchfalter. Im Film wurden uns die Anfänge der Erforschung seiner Wanderwege gezeigt, die manchmal bis zu 4 000 Kilometer lang werden können.

Mit einer Kombikarte ging es dann ins gegenüberliegende Museo de las Ciencas Príncipe Felipe (Wissenschaftsmuseum), das auf unterhaltsame Weise über wissenschaftliche und technologische Fortschritte auf insgesamt vier Etagen informiert. Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen, denn das Museum ist riesig.
Vorbei an der Serrería Brücke und der Agora (ein Mehrzweckbereich mit einer Höhe von 70 Metern) kann man weiter zum L'Oceanogràfico. Hierbei handelt es sich um eine Unterwasserstadt, die einem die wichtigsten maritimen Ökosysteme der Erde näher bringt. Auf einer Gesamtfläche von rund 110 000 m² sind hier rund 45 000 Exemplare von 500 verschiedenen Arten zu sehen.

Museo de las Ciencas Príncipe Felipe

Mit seinen zwei Erstligavereinen bietet Valencia eine wunderbare Möglichkeit ein Fußballspiel in der BBVA zu sehen. Für uns drei ging es dann am Samstagabend zum Spiel zwischen Levante U.D. gegen Rayo Vallecano De Madrid. Aus tabellarischer Sicht war der Vorletzte der Liga zu Gast beim Letzten womit es eine Partie auf Augenhöhe war. Am Ende gewann Levante mit 2:1 und rutschte auf einen Punkt ran an Rayo Vallecano.

Der nächste Tag wurde dann für einen ausführlichen Rundgang durch die Stadt benutzt. Start war der Ausgang der Metrostation Xátiva, an der sich direkt der Estación del Norte (Nordbahnhof) und die Plaza de Toros (Stierkampfarena) befinden. Mit rund 16 000 Zuschauerplätzen ist es eine der größten in Spanien, die wichtigsten Kämpfe finden während der Fallas im März und der Feria de Julio statt.

Estación del Norte
Plaza de Toros

Folgt man der Av. del Marqués de Sotelo, so gelangt man direkt zum Plaza del Ayuntamiento. Dort befindet sich die Ayuntamiento (Rathaus), in dem auch das Museo Histórico Municipal (Museum für Stadtgeschichte) untergebracht ist. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich das Correos y Telégrafos (Post- und Telegrafenamt).

Ayuntamiento

In Richtung Norden folgt man der Plaza de l'Ajuntament bis man nach links in die Avinguda de María Christina abbiegt. Nach einigen Metern erreicht man dann den Mercado Central. Er wurde 1928 fertig gestellt und beherbergt heute einen riesigen, lebhaften Markt auf dem man so einige Leckereien finden kann Direkt neben dem Mercado Central liegt die Lonja de la Seda (Seidenbörse), entstanden im 15. Jahrhundert. Dort kann man den Sala del Consulado del Mar (Saal des Seegerichts), den Patio de los Naranjos (Orangenhof) und den Sala de las Columnas (Säulensaal) besichtigen. Am besten den Besuch auf einen Sonntag legen, dann ist der Entritt frei.

Mercado Central
Lonja de la Seda
Sala de las Columnas

Nach dem Besuch geht es in die kleine Seitenstraße Carrer dels Drets, die einen direkt an den Plaza Redonda bringt. Angelegt 1840 ist er von einem dreistöckigen Wohnhaus mit rundem Grundriss umgeben. Sonntags gibt es hier einen Markt mit verschiedenen Waren.
Wenn man den Plaza Redonda wieder über eine Seitenstraße verlässt, landet man auf der Carrer de Sant Vicent Màritir und muss nur seinen Kopf nach links drehen um den Plaza de la Reina zu erblicken. Sofort fällt einem der Glockenturm El Micalet der Kathedrale auf. Wenn man die 207 Stufen erklommen hat, kann man in 51 Metern Höhe den Blick über die Stadt genießen.
Die Kathedrale hat ihren Ursprung im 13. Jahrhundert, teilweise dauerten die Bauarbeiten jedoch bis ins 18. Jahrhundert. Im Kathedralmuseum kann man den Arm des heiligen Märtyrers Vinzenz von Valencia besichtigen. Ebenso interessant ist das Tribunal de las Aguas (Wassergericht). Jeden Donnerstag, außer an Feiertagen, trifft es sich um 12 Uhr mittags vor dem Aposteltor um die gerechte Wasserverteilung in der Region für die Bewässerung von Feldern und Plantagen zu überwachen. Diese Tradition besteht bereits seit Ende des 11. Jahrhunderts.

 
Plaza de la Reina
Kathedrale mit Aposteltor

Mittlerweile ist man am Plaza de la Virgen angekommen und hat einen Blick auf die Basilika Virgen de los Desamparados, die sich direkt neben der Kathedrale befindet. Sie ist der Schutzheiligen der Stadt geweiht und wurde Ende des 17. Jahrhunderts erbaut.
Am Plaza de la Virgen befinden sich ebenso mehrere Restaurants und Bars. Auf keinen Fall die Gelegenheit versäumen, einmal die Paella valenciana zu probieren!

Plaza de la Virgen
Basilika Virgen de los Desamparados

Über die Carrer de Navellos gelangt man schließlich an trockengelegte Flussbett und auf der linken Seite befinden sich die Torres de Serranos (erbaut im 14. Jahrhundert). Vom 16. Jahrhundert bis Ende des 19. Jahrhunderts befand sich hier ein Gefängnis für Adlige und Ritter.

Torres de Serranos

Nun überquert man das Flussbett und folgt der Carrer de Sant Pius V in Richtung Osten. Bereits nach einigen Metern hat man das Museo de Bellas Artes (Museum der schönen Künste) erreicht. Man erkennt es an seiner blauen Kuppel. Hier findet man unter anderem Werke vom valencianischen Maler Joaquín Sorolla. Der Eintritt ist kostenlos und lohnt sich definitiv.

Jardin del Turia
Museo de Bellas Artes

Wenn man das Museum verlässt, folgt man einfach dem Park im ehemaligen Flussbett in Richtung Osten bis man die Metrostation Alameda erreicht. Falls man noch nicht genug gelaufen ist, kann man gerne noch weiter zur Ciudad de las Artes y las Ciencas gehen - auch im Dunkeln ist es ein absolutes Highlight!

- Lin

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