Sonntag, 5. April 2015

Carolina im Wunderland.

Der Regenwald in Ecuador - für einen Monat ist das mein Zuhause.
Mit dem Bus komme ich gegen Mittag in Puerto Quito an, eine kleine Stadt rund 140 km im Nordwesten von der Hauptstadt. Sie hat gerade mal zwei kleine Hauptstraßen mit Geschäften und alles wirkt etwas heruntergekommen und unübersichtlich. Ich frage mich durch, bis ich an der Polizei ankomme, wo ich meinen Projektkoordinateur treffe und er mich auf die Farm bringt. Es ist mittlerweile abends und ich lerne meine ersten Familienmitglieder kennen: Mama Jacinta, Neffin Maria und Sohn José. Zusammen zeigen sie mir mein Zimmer, wir essen etwas und ich gehe schlafen. Wozu auch wach bleiben wenn alles Im Dunkeln liegt und ich eh nichts mehr sehen kann.

Am nächsten Tag lerne ich Jacintas anderen Sohn Louis, ihren Neffen Angel und ihren Lebensgefährten Nelson kennen. Mir wird ein kleiner Teil der Finca gezeigt und ich darf einige Früchte probieren. Am Nachmittag schaue ich ihnen beim arbeiten zu und wir gehen schwimmen im nahegelegenen Fluss.
Über meine anfänglichen Zweifel kann ich mittlerweile nur noch den Kopf schütteln. Ich kann nicht glauben, dass schon zwei Wochen im Regenwald vorbei sind.

Meine Tage sehen fast gleich aus: ich stehe früh auf, lerne etwas Spanisch bevor es frühstücken geht, danach wird gearbeitet (meist arbeite ich mit Pflanzen und Früchten oder helfe Nelson beim Haus bauen) bis es dann Mittag gibt und eine kleine Pause in der ich mit den Hunden spiele. Bis die Arbeit ruft und ich bis in den Nachmittag tätig bin. Meist beendet der einsetzende Regen unsere Arbeitszeit oder die zu stark werdende Sonne. Ab und an geht es an den Fluss zum schwimmen oder ich liege einfach in der Hängematte und genieße die Zeit bis es spät am Abend Essen gibt.
Es ist sehr warm jeden Tag und meist regnet es die Nacht durch, gerade am Anfang war es sehr schwierig für mich mit langen Klamotten zu arbeiten, aber sie bieten den besten Schutz vor den Moskitos. Diese Tiere kennen hier anscheinend keine Pause und irgendwann bekam auch ich die ersten Stiche, mittlerweile sind meine Beine mit roten Punkten übersäht und zwischenzeitlich waren meine Füße so dick angeschwollen wie Elefantenfüße.

Meine Finca ist sehr sehr groß, wenn ich alles sehen möchte müsste ich einen Tag unterwegs sein. Die meisten Früchte und auch die Tiere dienen zur Selbstversorgung, nur Cacao und Bananen werden gelegentlich verkauft um extra Geld zu verdienen. Jeden Tag zaubert Jacinta andere Gerichte, von denen ich nicht mal annähernd alle Zutaten aus dem Deutschen kenne. Es ist sehr interessant sich dadurch zu essen, besonders schön ist es wenn man die Früchte noch vorher selbst im Garten geerntet hat.
Meinen eigenen Cacao durfte ich auch schon herstellen, was harte Arbeit war aber man wird belohnt. Als erstes mussten die Kerne für vier Tage getrocknet, dann in einem riesigen Topf über dem Feuer erhitzt bis man sie zermahlen hat. Dann musste ich mühsam in dem kleinen Pulverhaufen Cacao und die Schale voneinander trennen und danach wurde alles getrennt nochmal zermahlen bis es fein genug war. Die Schale war dann fertig, aus diesem Pulver wird Tee gekocht (schmeckt wie heiße Schokolade) und das Cacopulver wurde zu Klumpen geformt und in kleine Plastiktüten eingepackt um es haltbar zu machen. Es dauerte den ganzen Tag und es war zermürbend, dafür schmeckte der Cacaotee am Abend umso besser.

Genauso zermürbend war die Arbeit mit den Cacaobäumen. Wir waren drei Personen die zwei Tage lang draußen im Wald gearbeitet haben. Angel hat als erstes die Früchte von den Bäumen geholt, José hat sie dann mit einer Machete geöffnet und ich habe die Kerne mit den Fingern dann aus der Frucht geholt. Die Luft stand gerade zu und überall waren Moskitos. Etwas zermürbend aber sehr schön, mal andere Erfahrungen zu sammeln.

Und dann sind plötzlich zwei Wochen um und ich kann mir das Wochenende frei nehmen um an die Küste zu fahren. Mich zieht es nach Puerto Lopez, der einzige Anlaufpunkt um die Isla de la Plata zu besuchen. Diese Insel ist ein ziemlich getreues Abbild der Galápagos-Inseln und perfekt um sie für einen Tag zu besuchen (und auch um einiges günstiger). Auch hier ist es wahnsinnig heiß, aber auf der Tour über die Insel sieht man sehr viele Vögel und kommt ihnen auch sehr nahe ohne, dass sie vor Angst davon fliegen. Hier hole ich mir ebenfalls einen ziemlich schmerzenden Sonnenbrand, irgendwann bringt auch der beste Schutz nichts mehr.
Dann geht es zum schnorcheln direkt an der Felswand im Pazifik und es ist wie das Abtauchen in eine andere Welt. Ganz langsam lasse ich mich treiben, mit dem Kopf in Richtung Meeresboden um die Korallenriffe mit ihren bunten Bewohnern zu beobachten. Eine Schildkröte schwimmt in einer Entfernung an mir vorbei und dann stecke ich plötzlich mitten in einem Schwarm von Fischen. So atemberaubend wunderschön und ein Ort, den ich am liebsten nie mehr verlassen möchte.

- Lin.

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