Sonntag, 1. März 2015

Raus aus der Stadt.

Würfelförmige Häuser erstrecken sich an den Bergkämen hinauf. Wie kleine Könige thronen sie über einem selbst. Zwischen all den grauen Wänden erstrahlen immer wieder Farben. Gelb, Blau, Grün, Rot in allen möglichen Tonvarianten. Sie ergeben ein buntes Bild zusammen mit all den Bäumen und Sträuchern.

Doch der erste Schein trügt. Hier wohnt kein König, nein, hier wohnt der Teil der Bevölkerung mit wenig Geld. Auf den zweiten Blick sieht man das Heruntergekommene. Überall Risse in den Wänden, Staub und Straßendreck auf den farbigen Wänden. Dächer sind meist gerade Decken, auf denen ganz oben die Wäsche in der Sonne trocknet, gespannt auf einfachsten Wäscheleinen. Manchmal sitzt noch daneben ein Hund, als ob er auf die Wäsche aufpassen würde. Direkt daneben die Straßen, die irgendwie den Eingang zu einem Labyrinth sind.

Diese Häuser erstrecken sich fast wie ein Gürtel um das Zentrum Quitos. Wie ein ziemlich breiter Gürtel. Mit dem Bus verlassen wir Mariscal und fahren durch die Vororte. Den einen Bergkam entlang, hinüber zum nächsten, hinaus aus Quito.
Ich bin verwirrt. Diese Häuser erstrecken sich die Berge hinauf und hinunter durch das Tal hindurch. Das sieht nicht mehr wie Quito aus, sondern schon wie die nächste Großstadt, als ob die Übergänge fließend wären. Eine Stadt mit Städten umherum.
Aber es sieht faszinierend aus, denn zusammen ergeben sie ein kunterbuntes Bild, dass dazu gehört zum Leben in Quito.

Mit dem Bus in den rund 50 km südlich gelegenenen Cotopaxi National Park.
Nachdem wir Quito verlassen haben, halten wir in einer Art Lodge, in der wir frühstücken. Es ist früh am Morgen und ziemlich bewölkt. Zwischen den Anden hängen tiefe, weiße, dichte Wolken, die meist erst gegen Mittag auflockern.
Während der Busfahrt sieht man nur die Straße vor einem. Irgendwann passieren wir die Parkgrenze, es geht weiter auf ungeteerten Straßen mit keiner guten Aussicht. Das "Flachland" um die Berge erinnert an eine Sierra und langsam lichtet sich das Umfeld. Es erscheinen Wildpferde in der Nähe zu unserem Bus und auch die ersten Berge sind erkennbar.
Dann plötzlich erhebt sich der Cotopaxi und zeigt sich in seiner ganzen Schönheit und es wird einem bewusst, wie hoch man heute klettern möchte. Bis zur Schneegrenze soll es gehen, direkt an den Gletscher. Zum Glück geht es mit dem Bus bis auf die letzte Parkzone auf 4550 Meter. Von da aus geht es zu Fuß weiter auf 4800 Meter und es wird zäh. Immer wieder hüllt sich der Vulkan, der ganz nebenbei noch der zweithöchste aktive Vulkan der Erde ist, in Wolken. Man sieht nur knapp 100 Meter vor sich und hinter sich, und der kalte, harte Eisregen schlägt einem ins Gesicht. Im Minutentakt pfeift einem der Wind um die Ohren. Dann ist es auf ein Mal ganz still um einen und die Wolkendecke öffnet sich für ein paar Sekunden und während man kurz den Ausblick genießt, spürt man sein Herz ganz schnell schlagen. Die Lunge macht sich bemerkbar, schließlich ist hier oben die Luft doch schon einiges dünner.
Immer wieder hoffe ich, dass wir die Schutzstation bald erreichen. Ganz langsam geht es vorwärts, Schritt für Schritt. Um einen herum nur Geröll und massive Steingruppen, alles wirkt so trist und grau.
Dann plötzlich erkennt man Dachziegel und man hat es tatsächlich auf 4800 Meter geschafft. Durchgenässt und kalt sitzt man auf harten Holzbänken und wärmt sich auf. Nach einer kurzen Aklimatisierung geht es weiter, die letzte Etappe wartet. Wieder die gleiche Prozedur, bis man die Schneedecke sieht. Angetrieben durch den letzten Adrenalinschub kommt man an der Gletschergrenze an und hat es wirklich auf 5000 Meter Höhe geschhafft. Vielleicht das schönste Gefühl der Erde macht sich in einem breit: Stolz - und lässt alle Strapazen vergessen.

- Lin.

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