Freitag, 6. März 2015

Fußball verbindet

Ein Ausflug nach Sangolquí.
Es geht mit dem Bus über den Süden raus aus Quito, wieder durch den Stadtrand mit den königlich thronenden Häusern auf den Bergen. Die Sonne tanzt auf meiner Nase und am Himmel sind keine Wolken zu erkennen. Herrliches Wetter für diesen Tag.

Während der Busfahrt lerne ich die anderen Studenten kennen - neben mir und meiner Freundin Ellie sind noch Mohammed, Mohammed, Mohammed, Mahmut und Mahmut dabei. Von den Lehrern begleiten uns mein Lehrer Pablo, Martin und Cecilia und irgendwie ergeben wir eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe.

Die Busfahrt dauert eine Stunde und es wird spürbar wärmer, heute zeigt sich die Sonne von ihrer strahlensten Seite.
In Sangolquí angekommen geht es als erstes zu einer riesigen Inkastatue die den typischen Inka darstellen soll. Groß und athletisch steht sie dort, die Arme nach oben gestreckt und die Beine formen einen kräftigen Stand. Vor dieser Statue machen wir unser Gruppenbild für die Schulseite und danach heißt es erstmal eincremen, denn es wird immer wärmer. Eigentlich habe ich schon gar keine Lust mehr, und würde mich gerne am liebsten in den Schatten legen und eine Siesta halten. Heute ist es wirklich erdrückend warm.

Es geht weiter durch die Straßen in Richtung Markt. Wir kommen an der Kirche und dem Hauptplatz der Stadt vorbei. Die dort liegenden Häuser erinnern teilweise durch ihre Bauweise und ihre Farben noch stark an die Kolonialzeit womit sie im Kontrast zur Kirche stehen, denn sie wurde erst 1926 errichtet und ist somit noch sehr jung. Aber auch sie hat eine leichte Nachempfindung der ehemaligen Kolonialzeit und zusammen ergibt alles ein wunderschönes Bild.

Dann kommen wir an einen Art Eingang des einheimischen Marktes und schlagartig bin ich überfordert mit meinen Sinnen. Mein Blick fällt zuerst auf mehrere Obststände, die sich unter einer riesigen Plane erstrecken um all die bunten und für mich exotischen Früchte vor der Sonne zu schützen. Man kann kleine Eingänge von Wegen erkennen, die die eigentliche Größe erahnen lassen.
Ich bin überfordert. Mit der Kamera in der Hand geht es langsam weiter, doch meine Augen wissen nicht wohin sie als erstes schauen sollen, meine Ohren bekommen eine Menge Sprüche und Geschreie zu hören, die mich zum Kaufen bewegen sollen und meine Nase versucht die neuen Gerüche zu verarbeiten ohne zu wissen woher sie kommen.
Auf der anderen Seite tummeln sich Stände mit wirklich allen mögliche Waren. Neben in Plastikfolien einpepackten Fernbedienungen kann man Waschmittel für den Haushalt kaufen und zwischendrin gibt es immer wieder kleine Essensstände. Langsam schiebt einen die Masse weiter und schließlich landen wir auf dem Tiermarkt. In selbstgebauten Käfigen, geflochtenen Körben und Holzboxen hat man hier eine riesige Auswahl an lebenden Tieren. Es geht vorbei an kleinen, niedlichen Meerschweinchen, die man in Europa nur in der Zoohandlung findet und vermutlich gerade erst geschlüpften Küken, kleinen Hasen mit Schlappohren und krähenden Hähnen. Nebeneinem läuft plötzlich ein Truthahn vorbei, auf der Flucht vor seinem Halter.
Ich beobachte, wie einem Huhn der Kopf umgedreht wird und gehe schnell weiter. Das ist dann doch zu viel für mich.
Wir kommen in eine Straße nur mit Bekleidungsständen und kleinen Essensständen. Mir fällt etwas ins Auge, was mir zu vertraut vorkommt. Eine Farbgebung, die unbewusst ein Lächeln in mein Gesicht zaubert. Über meinem Kopf hängt ein kleines, schwarzgelbes Trikotset für Kinder vom BVB. Ich schaue mich in dem Laden weiter um und zu meiner Genugtuung entdecke ich kein rotes oder blaues Trikot von einem anderen deutschen Verein, dafür aber unser aktuelles Heimtrikot.
Während die Jungs an einem Schuhgeschäft Halt machen, nimmt mich Cecilia für einen kurzen Moment mit und lässt mich ein typisches ecuadorianisches Gericht probieren. Leider habe ich den Namen vergessen, aber es war wirklich interessant. Vom Aussehen her hat es mich eher an eine große, dicke, weiße Raupe erinnert, die in Maiskolbenblättern eingewickelt gekocht wird. Aber es war gekochter Kuchen, der vom Geschmack an einen Zitronen-/Orangenkuchen erinnert, sehr süß aber absolut empfehlenswert.
Wir laufen weiter, wieder an eng nebeneinander liegenden Ständen vorbei, immer wieder drängt sich ein Auto durch die Menge. Dann erreichen wir eine Hauptstraße und verlassen den Markt. Endlich können sich meine Sinne beruhigen und die gerade geschehenen Erlebnisse verarbeiten.

Wir fahren mit dem Bus weiter zu Silvana, einer anderen Lehrerin, die etwas außerhalb der Stadt wohnt. Dort angekommen, erholen wir uns kurz, bevor sich umgezogen wird. Vorbei an keinen Feldern mit grasenden Kühen und einer Autowerkstatt geht es zu einem Fußballplatz. Dieser liegt direkt an einem Berghang und ist ein asphaltierter Platz mit zwei Eisenstangengerüsten als Tore. Die eine Seitenlinie bildet die Mauer von der Autowerkstatt, die andere ist zeitgleich die unterste Stufe einer kleinen Zuschauertribüne. Hinter einem Tor befindet sich ein hoher Maschendrahtzaun und dahinter die Straße und hinter dem anderen eine kleine Wiese mit mehreren Gemüsegärten. Wir spielen 5 gegen 5, und die anderen machen etwas Stimmung. Ich fühle mich irgendwie in die Zeit zurück versetzt, als ich noch mit meinen Freunden auf dem Ascheplatz gespielt habe, wobei es bolzen eher treffen würde. Was sich hier unterscheidet ist das internationale. "Hand" wird hier auf Arabisch, Deutsch, Englisch und Spanisch geschriehen und Diskussionen über Strafstöße werden mit einem Fingerzeig geführt.
Die Mittagssonne setzt uns zu und langsam kommen wir an unsere Grenzen. Irgendwann ruft jemand "das letzte Tor entscheidet" und es wird noch einmal alles nach vorn geworfen. Entkräftet geht es dann zurück zu Silvana, wo dann das verspätete Mittagessen vorbereitet wird.

Während die Lehrer mit dem Grillen beginnen, ziehen sich die Jungs zu ihrem Gebet zurück. Was mich sehr verwunderte, war, dass sie mir gestatteten ihnen zu zu sehen. Einzige Bedingung: ich bin mucksmäuschenstill. Und das war ich auch und ich bin ihnen wirklich dankbar für diese Gelegenheit, denn es war sehr beeindruckend, auch wenn ich kein Wort Arabisch verstehe.

Dann wurde draußen das Essen zu einem Buffet aufgebaut. Es gab Cuy, Kartoffeln, Salat mit Guacamole und sehr viele Dipsorten und zusammen saßen wir im Garten und genossen es. Sehr interessant war der Mais, den er schmeckt hier ganz anders als zuhause. Ich kannte ihn bisher nur süßlich, doch hier hat er eher einen salzigen Geschmack und erinnert an fast fertiges Popcorn. Zusammen mit Käse überaus lecker.

Im Laufe des Abends ging es dann mit dem Bus zurück nach Quito. Wieder durch den Stadtrand, in dem die Häuser auf den Bergkämen thronen. Ich schaue aus dem Fenster und es gibt wieder so viel neues zu sehen, der Wind spielt mit meinen Haaren währenddessen ich ein paar Eindrücke mit der Kamera festzuhalten versuche.
Und während die untergehende Sonne die Häuser in ein goldenes Licht taucht, denke ich mir, wie glücklich ich hier bin

- Lin.

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