Dienstag, 24. Februar 2015

Eine Wundertüte zum Mitnehmen bitte.

San Francisco de Quito - Hauptstadt einer kleinen Wundertüte voller großer Überraschungen.

Auf einer Fläche von ungefähr 320 km² erstreckt sich diese Stadt durch ein Andental von Norden nach Süden und ist ganz nebenbei auch noch die höchstgelegene Hauptstadt der Welt.

Quito ist bunt, vielfältig und am Leben, und dabei habe ich mich bisher nur in einem Mikrokosmos aufgehalten. Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht in all den neuen Eindrücken verliere, denn das Leben hier kann hektisch werden.
Mir kommt es vor, als ob ich bisher nur drei Straßenzüge erkundet hätte und es ist erstaunlich wie schnell sich die Umgebung verändert. In meinem Stadtteil Mariscal Sucre, kurz Mariscal, prägen riesige Wohnhäuser und kleine zweigeschössige Häuser das Bild, es reihen sich Lokale, Geschäfte und Bars aneinander und es wimmelt nur so von Autos. Man muss aufpassen, denn hier haben sie die Vorfahrt auf teilweise gigantisch erscheinenden Straßen. Fußgängerampeln sind, wenn überhaupt vorhanden, nicht weit verbreitet, was die Überquerung jedes Mal zu einem Abenteuer macht. Es wird gehupt, immer wieder, ein Bus nach dem anderen rast an einem vorbei und zwischendrin immer wieder die gelben Taxis, die man wirklich überall sieht.

Ein Gemisch aus Musik entsteht, denn fast jedes Restaurant, jede Bar und jedes Café spielt eine Mischung aus latein-amerikanischen und aktuellen Pop-Songs und man hört es noch einige Häuserblocks weiter.

Dann mitttendrin bietet Quito Parks, die wirklich zum verweilen einladen. Sehr grün mit vielen Sitzgelegenheiten und großen Rasenflächen. Man kann sich an einen Baum lehnen und einfach nur beobachten und einem fällt auf, dass auch die Ecuadorianer ihre Grünanlagen schätzen. Immer wieder sieht man Familien, Paare oder Jugendliche, die vermutlich gerade ihre Pause verbringen, der Schulkleidung nach zu urteilen. An jeder Ecke gibt es kleine Verkaufsstände, die frisches Obst verkaufen und manchmal gibt es jemanden, der seinem Publikum etwas vorführt.
Schnell wird der Verkehrslärm ausgeblendet und man liegt einfach in der Sonne im Gras. Manchmal kann das Leben ziemlich schön sein.

Mitten in Mariscal liegt meine Unterkunft. Ein kleines Haus direkt gegenüber meiner Schule. Von außen sieht es sehr gemütlich aus, und auch innen lädt es sehr ein. Allerdings sollte man seinen europäischen Standard ablegen, schließlich befindet man sich noch immer in Südamerika. Die Möbel sind schon seit Jahren in Benutzung, manche Fenster schließen nicht mehr richtig und bei Regen tropft es durch. Überall knarren die Dielen, in der Küche steht noch ein Gasherd, der schwer angeht und sich nicht regulieren lässt. Das Bad ist sehr klein, die Toilette öfter mal verstopft, weil die Rohre hier um einiges enger sind als in Europa und bei der Dusche kommt meist nur kaltes Wasser. Bei schweren Regenfällen kommt es öfter mal zu Stromausfällen bei denen keiner weiß, wie lange sie dauern.
Aber gerade das macht das Leben so angenehm, es hat alles seine Eigenheiten.
Jeden Abend kommen wir alle hier zusammen, essen und reden über unseren Tag. Mitten in all diesem gefühlten Chaos entwickelt sich eine Gemeinschaft, durch die man alles übesieht, denn eigentlich kommt es auf die Leute an und nicht auf irgendeinen Standard.

- Lin.

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