Montag, 27. Juli 2015

In der Ankerstadt

Nach einer Reise bleiben einem die Erinnerungen von Erlebnissen, bei denen vielleicht nicht alles nach Plan gelaufen ist, bei denen man nach langer Zeit wieder jemanden ganz besonderes getroffen hatte, bei denen alles wunderbar war. Und manchmal trifft alles gleichzeitig zu.

Meine nächste Erinnerung schreibe ich so auf wie sie in meinem Kopfe ist, ich werde nicht nochmal in mein Tagebuch schauen um ein Detail zu überprüfen, weil ich mich nicht mehr dran erinnern kann. Nein, diesmal schreibe ich frei heraus was mir dazu einfällt.

Seit ein paar Tagen waren Mandy und ich schon auf unserem Roadtrip durch Neuseeland unterwegs, und wir nähern uns dem Ende unserer Zeit im Süden bevor es in den Norden geht. Als letztes machen wir Halt in Tauranga, einem überschaubaren Städtchen im Osten des Landes direkt an der Küste, schätzungsweise um die 100.000 Einwohner.
Wie immer besuchen wir zunächst das i-SiTe (Touristeninformation) um zu erfragen wo es kostenlose Campingplätze gibt und danach noch die Bibliothek um etwas WLAN zu schnorren (wohl kaum, gibt es nämlich kostenlos und das erfreut jeden Backpacker). Doch auch das ist relativ schnell erledigt und es geht weiter, auf die Suche nach einem Burgerladen den wir bei der Ortseinfahrt gesichtet hatten, Kommentar Mandy: "Den gibt es in Australien auch, da müssen wir hin." Sie hatte Recht, er war ziemlich gut. Innen sah es aus wie im späten 20. Jahrhundert und wir hatten eine bezaubernde Mitarbeiterin die eine fantastische Stimme hatte und gerne einige Ständchen zum Besten gab.
Danach ging es wieder los für uns, Campingplätze begutachten. Denn kostenlos ist nicht gleich kostenlos, allerdings gefiel uns gleich der zweite. Etwas versteckt musste man erst ein kleines Industriegebiet passieren, konnte dann direkt am Hafen parken und hatte eine schöne Aussicht. Das sollte somit unser Ort für die Nacht sein.
Da wir schnell fertig waren konnten wir uns unserer Freizeit widmen und fuhren auf die andere Seite der Stadt zum Mt. Maunganui. Mein Wunsch war es eh ihn zu besteigen, aber als ich ihn sah hatte ich dann doch keine Lust. Mandy machte es sich dann im Auto bequem um ihr Tagebuch weiter zu schreiben und ich schnappte mir mein Zeug und ging an den Strand. Für die herbstlichen Temperaturen war es sehr angenehm mit den Füßen im Sand zu laufen und auch das Pazifikwasser war wärmer als gedacht. Für mich war es dann auch etwas besonderes, denn somit hatte ich den Pazifik von beiden Seiten gesehen. Einmal vor einem knappen Monat in Ecuador und jetzt in Neuseeland. Kleine Dinge können wirklich so beeindruckend sein.
Nachdem ich den Sonnenuntergang genossen habe (mit einem Paraglider im Sonnenlicht, total klischeehaft) ging es wieder zurück zu unserem Campingplatz. Wir waren die einzigen dort und es war sehr ruhig. Unser Essen entsprach dem typischen Essen eines Backpackers: Aisanudeln mit Aromapulver und dazu einen spontan zusammengewürfelten Salat und genießen durften wir es direkt unter dem Sternenhimmel. Tausende kleine Lichter funkelten über unseren Köpfen und machten diesen kurzen Abend noch ein klein wenig magischer.




Viel gekostet hat uns dieser Tag nicht und doch ist er hängen geblieben in meinem Kopf. Zum Leben braucht man wirklich nicht viel. Einen tollen Menschen (meine Schwester), ein leckeres Essen (das meiste zusammen geklaut aus dem Schrank unseres Hostels in Auckland) und die Sterne.

- Lin.

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