Freitag, 27. November 2015

Kleine Katalaninnen

Letzten Freitag ging es für eine Freundin und mich in das vier Stunden entfernte Barcelona - mal wieder richtig Touri sein, ohne Kinder. Seit Wochen freuten wir uns auf dieses Wochenende, Bus und Hostel wurden sehr früh gebucht weswegen sie auch verdammt günstig waren und was wir alles machen wollten, das stand auch schon ziemlich fest. Von meiner Familie gab es die letzten Tage vor Abreise nur noch Witze zu hören: ich solle bloß auf mich aufpassen und absolut kein Katalanisch lernen, sonst würden sie die Grenze zu machen und mich nicht mehr rein lassen und so weiter. Wer es nicht weiß: Barcelona ist hier ziemlich verpöhnt, und das nicht nur im Fußball.

Da wir spät am Abend ankamen, gab es nicht mehr so viel Programm. Zuerst mussten wir vom Busbahnhof den Weg zu unserem Hostel finden, aber dies dauerte nur rund 15 Minuten und führte uns am Triumpfbogen vorbei direkt zur Kathedrale, denn dort in einer Seitenstraße befand sich unsere Unterkunft (10€ die Nacht und sehr zentral, Einrichtung war super, "Itaca Hostel" - kann ich nur weiterempfehlen!). Nachdem wir unsere Sachen abgeladen hatten, wurde erstmal mit nem Sekt angestoßen und es ging nochmal hinaus auf die Straßen um die ersten Eindrücke zu sammeln. Auf dem wunderschönen Placa Reial ließen wir dann den Tag mit einem Bier ausklingen, voller Vorfreude auf die nächsten zwei Tage.

Der Samstag startete sehr früh und gerade begeistert vom Wetter waren wir nicht. Kalter, starker Wind und der Himmel bedeckt von Wolken. Zum Glück sollte sich das noch ändern.

 Der Platz vor der Kathedrale: das kommt dabei raus, wenn man um 8:30 Uhr am Morgen schon unterwegs ist. Keine Menschenseele, was das erkunden der Stadt für einige Stunden sehr angenehm machte.

Placa Reial: am vorherigen Abend noch sehr belebt mit all den geöffneten Lokalen, früh am Morgen dann das komplette Gegenteil.

Über eine schmale Gasse an der Kathedrale und den Placa de Sant Jaume landeten wir über eine andere Straße auf der Rambla. Dort das gleiche Spiel wie kurz zu vor: kaum ein Tourist war unterwegs, wohl alle noch am Frühstücksbuffet. Gelohnt hat es sich, denn man bekommt einen ganz anderen Eindruck. Unten am Hafen angekommen genau das Gleiche, alles so friedlich und leise, gerade erst am erwachen. Dann ging es in das Maritime Museum, was sehr interessant zu besichtigen war. Einige interessante Ausstellungen über den aktuellen Hafen der Stadt als auch über die U-Boot-Geschichte der spanischen Flotte. Natürlich gab es haufenweise Boote aus verschiedenen Epochen, das besondere war, man konnte bei einer gerade laufenden Restaurierung zuschauen ohne zu stören. 

Zum Maritimen Museum gehört auch ein Segelschiff, dass im Hafen vor Anker liegt. Mit dem Ticket kann man dort rauf und hat einen etwas anderen Einblick in den Hafen. 

Als wir wieder rauskamen, schien uns dann die Sonne entgegen, und welch Überraschung: auch die Touristen waren aus ihren Verstecken gekrochen und auf ein Mal war alles voll. Klar schauten wir auch bei einigen Kunstwerken von Antoni Gaudí vorbei, aber überall rein geht nicht - schon gar nicht für 20€ und mehr. Dafür ließen wir uns dann die Rambla hochtreiben und besuchten den Mercado Central. Diese Märkte faszinieren mich besonders in Spanien, auch der in Valencia. Fleisch, Fisch, Obst, Süßes - soweit das Auge reicht, günstig zum mitnehmen oder teilweise zum direkten Verzehr. 


Einfach mal nen leckeren Obstsaft kaufen. Frisch gemacht und sehr köstlich - lohnt sich!

Dann ging es immer weiter durch das Barri Gòtic, bis wir erneut beim Triumpfbogen landeten. Diesmal konnten wir ihn im Tageslicht bestaunen und es ist schon ziemlich beeindruckend wie klein man auf ein Mal ist. 


Den Sonntag starteten wir dann etwas später. Unsere erste Station war das Camp Nou und bis jetzt weiß ich nicht wirklich was ich davon halten soll. Klar war das Fußballstadion für mich Pflicht, aber besonders schön finde ich es nicht, schon gar nicht von außen. Meine Meinung zu dem Museum und der Stadionführung fällt ziemlich negativ aus: zuerst, welch Überraschung, war es voll und wirklich angesprochen hat mich das Museum nicht, ein Haufen Pokale und anderer Kram aus der Geschichte, viel an Informationen konnte ich nicht ausmachen. Gut fand ich dagegen, dass auch auf die anderen Sportabteilung im Verein eingegangen wird. Wenn man sich dann durch die Pokale geschlängelt hat, wurde man durch das Stadion geleitet. Man musste immer einem Weg folgen, verlaufen war eigentlich unmöglich. Man kam an der Innenkabine (wohlgemerkt die Gästeseite) vorbei, ein Bereich den man wirklich hätte schöner gestalten können, dann an der Mixed Zone und dem Presseraum vorbei und wurde dann an den Rasen gebracht. Foto gemacht und weiter ging es über die Treppen hinauf zur Pressetribüne und schon war man fertig. Wo war der Typ, der einem lustige Anekdoten erzählt oder mal ne Frage beantwortet? Klar wird es bei den Massen schwierig, gezielte Führungen anzubieten, aber das hätte man besser lösen können, gerade wenn man schon 23€ als Eintritt bezahlt. 
Natürlich wurde man zum Ausgang durch den riesigen Megastore geleitet, genug Geld hatte man ja noch nicht ausgegeben (mein spanischer Papa fand es sehr gut, dass ich nichts gekauft habe).


Genugtuung gibt es dann beim Spiel Valencia - Barcelona. Höhöhö.


Mit der Metro ging es dann gleich weiter zur Sagrada Familía, dem wohl bekanntesten Bauwerk von Antoni Gaudí. Wir hatten günstig Eintrittskarten im Internet geschossen und konnten ohne warten direkt rein. Wirklich gut beschreiben kann ich diesen Moment nicht, aber es war sehr beeindruckend als wir dann drinnen waren. Uns sind wortwörtlich die Kinnladen runter gefallen, so wunderschön war sie. Obwohl sehr viele Leute da waren, war es relativ ruhig. Die Sonne spielte mit den bunten Glasfenstern und tauchte den Raum in eine wundervolle Atmosphäre - wir waren wirklich überwältigt. 




Kleiner Tipp zum Schluss: eigentlich wollten wir noch in das Picasso-Museum, da man dort jeden Sonntag von 15 - 20 Uhr keinen Eintritt bezahlen muss. Allerdings waren wir nicht die Einzigen mit dieser Idee weswegen wir uns kurzfristig um entschieden und das Europäische Museum Moderner Kunst besuchten, was sich als Geheimtipp entpuppte. Es war kaum eine Menschenseele vor Ort, man konnte in Ruhe die Kunstwerke betrachten (sehr sehenswerte) und es ist auch in direkter Nähe zum Picasso-Museum.

Eigentlich haben wir noch viel viel mehr gemacht und gesehen von dieser Stadt, aber das umfasst unseren Trip ganz gut. Barcelona, wir kommen definitiv wieder!

- Lin.

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