17:30 Uhr vor dem Levante Fanshop direkt am Stadion. Ich warte auf den Freund vom Bruder meines Gastpapas, der hat nämlich zwei Karten für das Spiel für mich - kostenlos versteht sich. Fast drei Wochen sind um und ich habe schon beide Teams von Valencia gesehen. Das wahrscheinlich berühmtere (Valencia CF) hat mir schon zugesagt, aber da hatte ich auch noch nicht Levante gesehen. Valencia CF hat ein großes Stadion, das so beeindruckend wirkt, dass man etwas verwundert über die Kapazität von nur rund 55.000 Zuschauern ist. Gespielt hatten sie gegen Granada und sogar mit 1:0 gewonnen, jedoch wollte die Stimmung nicht so richtig aufgekommen. Als ich mein Ticket bekam, wurde mir versichert, wir würden direkt bei den Ultras sitzen und dementsprechend freute ich mich schon. Allerdings standen dort ganz oben auf den Rängen geschätzt 20 Mann die kaum etwas zustande brachten. Das Spiel an sich konnte kaum überzeugen, hart und dreckig wurde es. Aber dann am nächsten Wochenende war ich bei Levante zu Gast und mein Fußballherz war glücklich. Das Stadion an sich war sehr klein (rund 25.000 Sitzplätze) und wirkte sehr gemütlich, wie ein kleines Wohnzimmer. Für meine Verhältnisse waren wir ziemlich spät drin und doch war es eine dreiviertel Stunde vor Anpfiff noch ziemlich leer, was sich schnell änderte. All das was bei Valencia fehlte, konnte Levante bieten: einen Ultrasblock, der 90 Minuten Vollgas gab und das ganze Stadion einheizte. Das Spiel an sich war ein Traum. Levante als 18ter der Liga gegen den Tabellenführer Villareal und Levante spielte auf - es war ein einziger Marsch aufs Tor. Als auch noch ein Tor fiel, explodierte das ganze Stadium und kochte fast über. Es dürfte jedem Fußballfan gefallen haben.
Anderer Schauplatz: einen Abend zuvor befinde ich mich in einem Vorort von Valencia und sitze ganz oben auf einer Absperrung. Gut anderthalb Meter vor mir befindet sich ein Holzpfahl, an dem gerade ein Stier angebunden wurde und durch die umstehenden Männer in Position gebracht wird, damit ihm kleine Gerüste auf die Hörner gesetzt werden können die dann angezündet werden. Zum Ende muss ein Mutiger das Seil durchtrennen und schon rennt der Stier los durch die Straßen. Vor ihm die Männer, die ihn noch wilder machen und sich kurz vor dem Zusammentreffen in Sicherheit bringen. Wie ich das so sah, hatte ich schon ziemlich viel Angst und ganz wohl war mir auch nicht, aber ich wollte es nunmal unbedingt sehen. Bis jetzt habe ich diese Tradition nicht komplett verstanden, der Stier rennt einfach für eine gute Stunde durch die abgesperrten Straßen und das Feuer hat er auch nur auf den Hörnern, damit man ihn mitten in der Nacht besser sehen kann. Am Ende wird er auch nicht getötet, sondern einfach wieder zurück in seine Box gebracht und schon kommt der nächste Stier.
Aber dafür, dass es mitten in der Nacht war, war mindestens das halbe Dorf unterwegs und für mich irgendwie ein Muss es mal zu sehen, denn man erlebt es ganz anders als wenn man es nur im Fernsehen sieht.
Auch wenn meine Wochenenden ziemlich erlebnisreich sind, so ist meine Woche doch um einiges ruhiger.
Am Vormittag habe ich mehr Zeit für mich. Zweimal geht es mit dem Fahrrad durch die Vororte direkt zur Sprachschule oder an schulfreien Tagen ins Nachbardorf ins Fitnessstudio wo ich mich dann auspowern kann. Um das Mittagessen muss ich mich nicht kümmern, denn das gibt es immer bei den Großeltern, wo ich meist zwei Stunden mit Essen und plaudern verbringe. Ein wenig später kommen dann meine beiden Kinder von der Schule und entweder geht es zum spielen in den Park oder mein Großer hat Fußballtraining. Meist treffe ich im Park einige der anderen Aupairs und zusammen bleiben wir dort bis es am frühen Abend Zeit ist heimzugehen. Zuhause geht es als erstes in die Dusche und dann erfolgt das Abendessen und danach geht es ins Bett. Wenn dann etwas Ruhe eingekehrt ist, esse ich zusammen mit meinen Gasteltern und wir plaudern noch ein wenig bevor auch ich mich zurückziehe.
Diese Routine wiederholt sich jeden Tag und doch ist es jeden Tag anders was an den Kindern liegt. Mal kommen sie gut gelaunt von der Schule oder wollen kein Wort mit mir reden. Es gibt immer irgendeine Überraschung, auf die ich mich einstellen und reagieren muss. Aber das nehme ich als Herausforderung, schließlich ist es erst meine dritte Woche hier und wir alle müssen uns daran gewöhnen.
Klar nervt es absolut, wenn plötzlich beide anfangen zu heulen, weil ich den Fernseher ausgemacht habe, und da habe ich dann in solchen Momenten absolut keine Lust aufs Aupair sein, wenn sich die Heulerei in einen Wutausbruch steigert. Aber solche Momente gehen vorbei, und dann lachen wir zusammen und toben uns richtig aus. Ich hab Verständnis denn mal ehrlich, das Vorzeigekind war ich damals auch nicht und das sollen meine Beiden auch nicht sein.
Gewisse Regeln müssen alle lernen, aber dafür dürfen sie auch ganz laut toben und am Ende genießen wir einfach nur unser Leben.
- Lin.
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